Aufstockung des historischen Hindenburgbaus, Stuttgart

Bauherr Bahnhofplatz-Gesellschaft Stuttgart AG
Leistung LPH 1–9 bei laufendem Betrieb
NF ca. 1.750 m²
Baukosten ca. 5 Mio. EUR
Ausführung 2005–2006

Auszeichnung Zukunftsfähige Stadterneuerung
Bauherrenpreis 2007

Der in den Jahren 1926-1928 errichtete Hindenburgbau gehört zu den markanten Gebäuden in der Stuttgarter Innenstadt. Das Gebäude ist Teil des historischen Ensembles das zusammen mit dem Bahnhof, von Paul Bonatz, und dem Zeppelinbau, den Bahnhofsplatz räumlich umfasst.

Die historischen Bauten am Bahnhofsplatz sind architektonisch unterschiedlich gestaltet. Ihnen gemeinsam ist eine strenge, den Kubus betonende Formgebung, die bei Bahnhof und Zeppelinbau bereits Merkmale des „Neuen Bauens“ tragen. Bei dem zeitgleich von den Architekten Professor Schmohl, Albert Eitel und Baurat Staehlin errichteten Hindenburgbau, wurde zunächst nur das Untergeschoss und drei der ursprünglich geplanten sieben Obergeschosse als Stahlskelettbau realisiert. Die in Naturstein verkleidete Stahlkonstruktion erinnert an den neoklassizistischen Stil.

Der Hindenburgbau brachte damals mit seinen Einrichtungen einen Hauch von Weltstadt in das Stuttgart der späten 20er Jahre.

Mit dem eleganten „Konzertcafé Hindenburgbau“ wurde hier eines der größten Tanzcafés Deutschlands eröffnet. Das Planetarium, das sich hinter den Arkaden befand, stellte eine technische Sensation und Fremdenverkehrsattraktion dar.

Im zweiten Weltkrieg wurde der Hindenburgbau stark beschädigt. Pläne für einen Wiederaufbau als Landtagsgebäude kamen nicht zur Ausführung. In den ehemaligen Planetarium Saal zog ein Kino ein.

Zusammen mit dem Wiederaufbau in den 50er Jahren wurde das Gebäude um zwei Geschosse, ebenfalls in Stahlskelettbauweise, aufgestockt. Die Platzfassade mit den regelmäßig angeordneten Arkaden wirkt leichter als der Sockelbau und vermittelt fast einen mediterranen Charakter.

Obwohl sich die Obergeschosse formal deutlich vom Sockelbaukörper absetzen, wirkt das Gebäude durch seine Materialität als Einheit.

Nach nunmehr ca. 80 Jahren seit den ersten Planungen, wird das Gebäude um ein weiteres Stockwerk erweitert, und passt sich dadurch der Höhe der Nachbargebäude an. Die Gebäudehöhe entspricht im Übrigen der von Paul Bonatz bereits in den frühen 20er Jahren entworfenen städtebaulichen Planung.

In enger Abstimmung mit der Denkmalbehörde wurde das Ziel formuliert die Aufstockung in einer leichten, zurückhaltenden Architektur mit zeitgemäßen Materialien, wie Stahl und Glas auszuführen.

Konstruktiv wurde die Aufstockung u.a. aus Gewichtsgründen in Stahl fortgeführt. Sie liegt auf einem von den unteren Stockwerken abgelösten Stahlträgerrost. Über diesen werden die Lasten auf die bestehenden Stützen der unteren Stockwerke verteilt.

Hierdurch entsteht eine hohe Flexibilität der Grundrissgestaltung. Einzelbüros, Kombibüros, aber auch Großraumbüros sind, entsprechend Mieterwunsch, problemlos herzustellen.

Erschlossen werden die Mietflächen über vorhandene Treppenhäuser mit Aufzug, die ebenfalls um ein weiteres Stockwerk erhöht wurden.

Bei der Fassadengestaltung werden Bezüge zu der historischen Fassade aufge-nommen. Die Fassade zum öffentlichen Straßenraum, zur Königsstraße, Lautenschlagerstraße und Arnulf-Klett-Platz hin, wurde als Doppelfassade realisiert. Sie ist Klima-, Lärm- und Sichtfilter und unterstützt die hochwertige Büronutzung im Inneren. Der Zwischenraum kann betreten werden und bietet einen großartigen Rundumblick auf die Stuttgarter Talränder und den Bahnhof.

Die äußere Glasfassade nimmt die Konturen des historischen Gebäudes auf. Sie besteht aus großformatigen Sicherheitsglasscheiben, deren Teilungen den Rhythmus der darunter liegenden Arkaden aufnehmen. Die innere thermische Fassade ist in raumhohen Holz-Glas-Elementen ausgeführt, und erfüllt alle Funktionen einer herkömmlichen Bürofassade. Durch die Farbgebung in gebrochenen Weiß auf der Platzseite entsteht der Eindruck von Leichtigkeit.

Die Fassade zum Innenhof ist als Bandfassade, kombiniert mit hellen Eternittafeln, ausgeführt und reagiert damit auf die darunter liegende Putzfassade.

Es war den Bauherren und Planern sehr bewusst, dass eine Aufstockung an dieser historisch und städtebaulich bedeutenden Stelle Stuttgarts nur mit großer architektonischer Zurückhaltung begegnet werden sollte. Auf große Gesten wurde folglich verzichtet.

Bauhistorische Bestandsaufnahme